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Volleyballer verpflichten Weltklassespielerin
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Eigentlich müsste Siggi Monsheimer das Grinsen gar nicht mehr aus dem Gesicht kriegen. Da sucht er monatelang vergeblich nach einem Trainer für seine Volleyball-Frauen. Und dann spielt ihm der Zufall so richtig in die Karten.Hätte der Spielleiter des ATV Haltern an dem bewussten Tag Lotto gespielt, er hätte gute Aussichten auf einen Sechser gehabt. Lotto-Millionen sind es zwar nicht, über die sich Monsheimer freuen darf; aber dafür über ein Coup, der ähnliche Adrenalinausstöße hervorruft. Ihm ist es gelungen, Tonya Slacanin als Trainerin für die nächste Saison zu verpflichten. Besser bekannt ist die 45-jährige, in Long Beach geborene US-Amerikanerin unter dem Namen Teee Williams. Einst galt die frühere Diagonalangreiferin als beste Volleyballspielerin der Welt.
„Ich habe mich erst gar nicht getraut sie anzufrufen”, gesteht der Halterner, der den entscheidenden Tipp von Zweitliga-Spielerin Uta Ferling (früher SuS Olfen, TuS Iserlohn, künftig Bayer Leverkusen) bekam und der nur bedauert, dass die Vorbereitungszeit längst angelaufen und es wenig wahrscheinlich ist, dass angesichts der namhaften Trainerin kurzfristig noch Spielerinnen zum ATV kommen. „Aber Teee hat uns gesagt, dass sie längerfristig arbeiten möchte. Also können wir auch noch später von ihrer Sogwirkung profitieren.” Ohnehin glaubt Monsheimer, dass der aus der Oberliga abgestiegene ATV mit seinem jungen Team gute Chancen hat, gleich um die sofortige Oberliga-Rückkehr zu spielen.
Das schließt auch die neue Trainerin nicht aus. „Aber über Ziele haben wir noch gar nicht gesprochen.” Nach einem Probetraining gab sie ihr Okay. „Ich möchte immer mit einem jungen Team arbeiten und ich hoffe, den Spielerinnen beim ATV etwas beibringen zu können.” Dass sie einmal auf einem ganz anderen Niveau gespielt hat, sei kein Problem. „Ich habe ja selbst mal mit zwölf angefangen. Und außerdem lerne ich als Trainerin auch noch. Das ist etwas anders als nur zu spielen. Da bringt man öfter Probleme mit nach Hause, weil man nach Lösungen sucht.”
Ihre ersten Schritte im Trainermetier hat sie schon auf hö-here Ebene absolviert, sie coachte den Zweitligisten TuS Iserlohn. Davor stand eine bewegte Karriere. Auch in Deutschland. 2004 wurde Williams mit dem USC Münster Deutscher Meister und Pokalsieger, ein Jahr zuvor war sie Deutsche Beachvolleyball-Meisterin an der Seite von Ines Pianka. In den 1990er Jahren gehörte sie zu den weltbesten Akteurinnen ihres Sports, 1992 gewann sie mit dem US-Team bei den Olympischen Spielen die Bronzemedaille. Enorme Sprungkraft, ein harter Schmetterschlag und schier unüberwindliche „Krakenarme”, das waren ihre Markenzeichen.
Haltern am See statt Barcelona. Mitspielen könnte sie beim Training noch, zweimal die Woche kommt sie aus Unna, wo sie gemeinsam mit ihrem Mann Drazen Slacanin und den drei Kindern lebt. „Aber nach der dritten Schwangerschaft ist das schon ein bisschen schwieriger”, gesteht sie und lacht.
Nicht nur mit ihrer Verpflichtung betritt der ATV Haltern Neuland. Neu ist auch die Gruppe, in der der Absteiger einsortiert wurde. Verbandliga 2. Vom TV Gladbeck über TB Osterfeld bis zum SV Werth reichen die Kontrahenten. Allesamt unbeschriebene Blütter aus hiesiger Sicht. Siggi Monsheimer findet's okay. Neue Kontrahenten wirken belebend. „Außerdem haben wir nicht mehr so lange Auswärtsfahrten.” Ihn wird's freuen, die Spielerinnen auch. Und Tonay Teee Slacanin Williams ohnehin. Denn die sagt ganz unkokett: „Ich bin Mutter, Hausfrau und Trainerin.” Da ist Zeit ein kostbares Gut.
(WAZ, Andreas Rorowski) |